TRENDS UND STRATEGIEN IN LOGISTIK UND SUPPLY CHAIN MANAGEMENT

CHANCEN DER DIGITALEN TRANSFORMATION

Trends

  • Kostendruck, Individualisierung und Komplexität bleiben auch im Zeitalter der Digitalisierung die Top-Trends, welche von extern an die Unternehmen herangetragen werden.
  • Digitalisierung der Geschäftsprozesse und Transparenz in der Supply Chain sind hingegen die wichtigsten Trends, die zukünftig mehr aus den Unternehmen heraus getrieben werden müssen.
  • Die Bedeutung von Nachhaltigkeit hat gegenüber 2012 deutlich zugenommen. Bei der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen besteht noch erhebliches Verbesserungspotenzial in Bezug auf die individuelle Anpassungsfähigkeit an bestehende Trends. Die Antworten weisen hier ein sehr breites Spektrum auf.
  • Der größte Handlungsbedarf besteht im Hinblick auf den zunehmenden Personalmangel und aufkommende Business Analytics-Anwendungen – über 60 % der Unternehmen konnten sich hieran bisher nicht ausreichend anpassen.

Chancen und Risiken der digitalen Transformation

  • 73 % schätzen die Chancen, die sich durch eine digitale Transformation für ihr Unternehmen ergeben, als hoch bis sehr hoch ein. Mehr als die Hälfte der Unternehmen warten aber ab, bis erprobte Lösungen vorliegen.
  • Gleichzeitig sieht ein Drittel der Befragten jedoch auch hohe bis sehr hohe Risiken.
  • In den Sektoren Industrie und Logistikdienstleistung erwarten jeweils mehr als die Hälfte der Unternehmen zusätzliche Erlöse bzw. Kostenreduzierungen. Im Handel erwarten sogar zwei Drittel der Unternehmen zusätzliche Erlöse, aber nur rund 40 % Kostenreduzierungen.
  • Wichtigster Treiber der Digitalisierung ist der Endkunde. Unternehmen, welche Digitalisierung für sich als wichtig erkannt und vorangetrieben haben, können tendenziell auch besser mit den kundengetriebenen Anforderungen umgehen.

Innovative Technologiekonzepte

  • Prädiktive Analysen und die Anwendung von künstlicher Intelligenz bergen erhebliches Potenzial für die Optimierung von Logistikprozessen.
  • Der Zugriff auf Daten über mobile Endgeräte hat hohe Relevanz und wird in Zukunft erheblich ausgebaut.
  • Sensorik wird wesentliche Datenquelle für Überwachung und Verbesserungen.
  • Hohes Wachstum ist bei Fahrerlosen Transportsystemen, unternehmensübergreifender Maschine-zuMaschine-Kommunikation und Augmented Reality-Konzepten zu erwarten.
  • Die größte Herausforderung bei der Einführung von neuen Technologien liegt in der Inkompatibilität mit bestehenden Systemen.

Veränderungen in der Wertschöpfungskette

  • Logistikziele mit höchster Priorität sind die Erfüllung von Kundenanforderungen, Lieferzuverlässigkeit/ Termintreue und Logistikkosten.
  • Die Veränderung der Vertriebswege in Richtung Plattformen und Portale führt zu kleinteiligeren und kundenindividuelleren Logistikdienstleistungen.
  • Die Fähigkeit zur Ankopplung an durchgängige IT-Systeme wird zur Überlebensfrage für Lieferanten.
  • Datenbedarfe in der Supply Chain werden heute noch häufig nicht befriedigt (bspw. bei 61 % der Unternehmen für Materialflussstörungen), aber eine zunehmende Bereitschaft zum Teilen der Daten ist vielfach erkennbar.
  • Die Unternehmen erwarten überwiegend, dass Bestands-, Lagerhaltungs- und Verwaltungskosten durch die Digitalisierung sinken. Der Handel erwartet jedoch hierdurch auch Kostensteigerungen bei Verpackung und Retouren.

TRENDS UND STRATEGIEN IN LOGISTIK UND SUPPLY CHAIN MANAGEMENT – CHANCEN DER DIGITALEN TRANSFORMATION

Veränderte Kompetenzanforderungen

  • Ein intuitiver Umgang mit IT ist zukünftig noch stärker auf Fach- und Führungsebenen erforderlich.
  • Um mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung mithalten zu können, ist die Implementierung einer Fast Failure-Kultur hilfreich.
  • Dies erfordert auf allen Ebenen Experimentierfreude und einen positiven Umgang mit Fehlern. Neue Kompetenzen werden insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit großen Datenmengen benötigt.
  • Der Data Scientist wird für die Logistik als Berufsbild unabdingbar. Die erforderliche Qualifizierung scheitert eher an den verfügbaren Ressourcen als an der Bereitschaft der Mitarbeiter.
  • Ein Digital Competence Screening kann die unternehmensspezifischen Qualifikationsbedarfe strukturiert ableiten.

Neue und angepasste Geschäftsmodelle

  • Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Qualität und Schnelligkeit sind zentrale Wettbewerbsfaktoren der nächsten fünf Jahre in allen Sektoren.
  • Nahezu die Hälfte der Unternehmen haben bisher nicht geplant, ihr Geschäftsmodell digital zu transformieren. Stattdessen hat knapp die Hälfte der Unternehmen zumindest begonnen, das bestehende Geschäftsmodell um digitale Dienstleistungen zu erweitern.
  • Neben der Digitalisierung der Kundenschnittstelle sind analyticsgetriebene und kundengetriebene Geschäftsmodell-Innovationen absehbar.
  • Durch Plattformen droht konventionellen Geschäftsformen der Verlust des Endkundenzugangs.

Handlungsempfehlungen

  • Der späteste Zeitpunkt, um in die Digitalisierung einzusteigen, ist jetzt.
  • Die digitale Transformation umfasst unterschiedliche strategische Schwerpunkte wie den Unternehmenswandel, die Weiterentwicklung von IT und der Datennutzung sowie die Förderung von Innovationen.
  • Die Digitalisierung entwickelt sich so schnell weiter, dass trotz Planung am Experimentieren und Nachjustieren kein Weg vorbeigeht.
  • Mit der Digitalisierung treten neue Geschäftspartner mit einer anderen Unternehmenskultur auf den Plan, die es produktiv zu integrieren gilt.
  • Alle Akteure sind aufgefordert, an einem Strang zu ziehen, damit sich Unternehmen und Wirtschaftsstandorte im digitalen Wettbewerb erfolgreich positionieren können.

Bundesvereinigung Logistik (BVL), 2017

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