Blockchain in der Logistik

Mit der Erfindung der Kryptowährung Ethereum 2015 entstand schließlich auch die Möglichkeit, nicht nur den Absender, den Empfänger sowie den Betrag einer Transaktion in der Blockchain abzuspeichern, sondern auch zusätzliche Informationen in Form sogenannter Smart Contracts – egal ob juristische Informationen, Orte oder die teilnehmenden Parteien. Diese Erweiterung macht den logistischen Einsatz erst möglich.

Im November 2017 etwa legte das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) ein Positionspapier zum Thema „Blockchain und Smart Contracts – Technologien, Forschungsfragen und Anwendungen“ vor. Darin wird das Supply Chain Management mit seinen „Wertschöpfungspartnern bestehend aus Lieferanten, Herstellern, Händlern, Logistik- und Finanzdienstleistern, zwischen denen verschiedene Leistungsvereinbarungen existieren“ als typisches Anwendungsfeld der Blockchain beschrieben. Entscheidend, so das Positionspapier, sei der Einsatz von Elementen des Internet of Things (IoT). Dieses automatisiert in der Industrie bestimmte Abschnitte der Produktion – beispielsweise mithilfe von Sensoren, die Signale selbstständig in einem Netzwerk weitergeben und eine Überwachung über einen bestimmten Produktionsabschnitt automatisiert ermöglichen. Moderne Geräte leisten dies bereits mit einer minimalen Stromzufuhr.

Dass der Einsatz von Blockchain-Technologie in der Logistik keine reine Theorie mehr ist, zeigt auch Vechain. Dieses Netzwerk gehört der in Singapur ansässigen chinesischen Firma Bitse. Vechain ermöglicht die Beobachtung von Produkten über die gesamte Supply Chain hinweg und nutzt das IoT. In der Blockchain wird das Produkt zunächst erfasst und schließlich mit einer eindeutigen Identifikation versehen, entweder in Form eines NFC-Chips, wie er etwa in Mobiltelefonen zum Austausch von Visitenkarten genutzt wird, oder mit einem QR-Code. Durchläuft der Artikel eine Station in der Lieferkette, werden die ID gescannt und der Standort abgespeichert. So kann das Produkt zuverlässig bis zum Verkauf verfolgt werden. Heute importiert man bereits Luxusgüter und Wein mithilfe der Vechain nach China.

Allen Projekten gemein ist, dass sie noch in den Kinderschuhen stecken. Das Netzwerk von Ethereum beispielsweise war kürzlich wegen eines Spiels auf Blockchain-Basis bereits so überlastet, dass die Übertragung von Daten überdurchschnittlich lange dauerte. Den Entwicklungsstand von Blockchain-Technologien sollten Unternehmer jedoch trotzdem nicht unterschätzen: Von einer deregulierten, virtuellen Währung hin zu nachvollziehbaren Produktbewegungen innerhalb der Supply Chain vergingen nur wenige Jahre. Die technische Entwicklung schreitet schneller voran, als je zuvor. Das IoT mit seinen neuartigen Möglichkeiten steht erst am Anfang, ebenso die monetär motivierte Forschung an der Blockchain.

Ein wichtiger Aspekt rückt im Hype um die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Technologie jedoch oft in den Hintergrund: In einer unabänderlichen Datenbank wie der Blockchain sind valide Daten wichtiger als je zuvor – egal ob Beschreibungsdaten der Produkte oder auch Bewegungsdaten entlang der Supply Chain. Es werden sich Standards etablieren, wie Daten geschrieben und wie sie innerhalb der Systeme gespeichert werden. So sieht es auch die Softwarefirma TMW Systems, die Logistik- und Lieferkettensoftware entwickelt, und Ende 2017 ein Whitepaper zum Thema „Blockchain in der Supply Chain“ veröffentlichte. Sie bezeichnet das Master Data Management als Dreh- und Angelpunkt der sich neu entwickelnden Logistikbranche. Eine korrekte und standardisierte Beschreibung von Daten wird weiterhin wichtiger. Das Stammdaten-Management wird auch auf dieser Ebene nicht stillstehen.

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